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Rufus Beck und Renate Schönbeck,
Programmleiterin Der Hörverlag

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Prouktionstagebuch Harry Potter und der Halbblutprinz

11.11.2005:

Tag 10

Liebe Potterianer,

Der Tag 10 ging am Freitag zu Ende, jetzt ist es Sonntag, und ich bin einfach vorher nicht dazu gekommen meine Tagebucheintragung abzuschicken, denn ich musste nach dem halben Vormittag Aufnahme sofort zu einem anderen Auftritt in der Nähe von Heidelberg fahren.

Eigentlich waren wir ja schon am Donnerstag mehr oder weniger mit den Aufnahmen fertig, aber ich wollte noch ein bisschen an Freund Slughorn herumexperimentieren.
Das ist etwas, was ich noch nie gemacht habe, normalerweise gehe ich ins Studio und nehme einfach auf, die neuen Charaktere muss ich normalerweise nicht ausprobieren, sondern die schweben schon die ganze Zeit in meinem Kopf herum und warten darauf, auf Band gesprochen zu werden. Ich bin da ja etwas abergläubisch, ich lese den Text vorher für mich ganz alleine und stumm in meinem Kämmerchen und man hört kein lautes Geräusch von mir, aber in mir drinnen rauscht das reinste Stimmengewirr. Ich stelle mir die Figuren bildlich vor, denke über ihre Haltung nach, damit meine ich sowohl die psychologische als auch die physische, und dann fallen mir die Stimmen ganz von alleine ein. Aber das möchte ich vorher nicht ausprobieren, da ich lieber meinem Instinkt vertraue und auf die Stimmung im Tonstudio, auf den Moment, wo sowohl das Team um mich herum als auch ich selbst zum ersten Mal eine neue Figur hören. Das hat bisher auch immer geklappt. Bei Freund Slughorn war ich mir nicht ganz sicher und ich habe Einiges zum ersten Mal ausprobiert und habe sogar einen Bekannten von mir zu Rate gezogen (an dieser Stelle: Vielen Dank, Robert, für deine Hilfe).

Slughorn ist ja eine etwas zwielichtige Figur. Er ist sehr eitel, was er wirklich als Zauberer so drauf hat, erfährt man nie genau, doch Dumbledore vertraut ihm. Slughorn ist ein Genussmensch, er trinkt und isst zu viel und zu oft, umgibt sich gerne mit den Berühmten und Reichen der Zaubererwelt, aber letztendlich ist er doch ein sympathischer Kauz. Ein sprichwörtlicher Bauchmensch. Und ich denke, ich habe der Figur eine besondere Stimme gegeben, die meines Erachtens sehr gut passt.
Ich muss dazu sagen, dass all die Dialekte und Idiome, die in Harry Potter vorkommen, nicht echt, sondern immer Kunstsprachen sind, die sich an eine Mundart anlehnen, aber sie nicht imitieren. Trotzdem muss die Person authentisch sein. Letztendlich sprechen ja alle Figuren Schriftdeutsch, da wird am Text ja gar nichts verändert, und manche Sätze würde man ja auch im Dialekt völlig anders formulieren. Mir geht es darum, dass man das Grundsätzliche einer Figur, sozusagen die Herkunft, die Zugehörigkeit, die Biografie einer Figur sehr prägnant und wirksam über den Dialekt oder besser gesagt den jeweiligen Akzent herstellen kann.

Ja, es ist vollbracht, es waren genau genommen neuneinhalb Tage, die wir für den Band 6 gebraucht haben und trotzdem habe ich das Gefühl, mir viel Zeit gelassen zu haben für die Aufnahmen. Am liebsten würde ich sofort damit auf Lesereise gehen und alles vor Publikum testen und ausprobieren, aber ihr wisst ja, das habe ich in den letzten Tagebucheinträgen erklärt, es geht leider nicht.

Diese Woche werden wir uns mit dem Team noch einmal im Studio treffen und es wird zwei Tage Interviews und Pressetermine geben und ich sag euch, das ist viel anstrengender als 9 Stunden Harry Potter zu lesen (oder sollte ich sagen zu spielen?).
Neues und Aktuelles werdet ihr weiterhin hier und auf meiner Website finden.

Wie schrieb einmal ein anderer berühmter englischer Schriftsteller?

...es war nicht...

“Two beers or not two beers that is the question....”

Nein, es war (ich verabschiede mich an dieser Stelle von euch schon mal, euer Muggel Rufus)

“The rest ist silence”

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