Fragen zu Harry Potter

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Herr Beck, möchten Sie eigentlich gern zaubern können?

Wer möchte diese Gabe nicht besitzen? Ich versuche zumindest die Menschen oder mein Publikum zu bezaubern und verzaubern in meine Phantasiewelt ver - und entführen , wenn mir das gelingt , ist das magisch genug.

Und wenn Sie drei Wünsche frei hätten...?

...würde ich soooooooo lange überlegen , welche Wünsche ich mir schon immer aufgespart habe , bis ich schließlich steinalt wäre und darüber vergäße, dass ich drei überhaupt frei habe.

Welche Parallelen haben Sie zwischen Ihnen und Harry-Potter entdeckt?

Jeder hat zauberhafte Fähigkeiten in sich schlummern , man muss sie nur zum Leben erwecken.

Die Abenteuer des klen Zauberers Harry Potter begeistern nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. Welche Erklärung haben Sie für den weltweiten Siegeszug dieser Bücher?

Das , was Harry so liebenswert macht , sind , glaube Ich ,seine charakterlichen Stärken, die wir selbst gerne hätten, und es sind auch seine Schwächen, die wir nur allzu gut verstehen. Harry ist mutig, aber er zeigt auch Angst und versucht damit fertig zu werden, Harry ist ehrlich, aber manchmal kommt auch er ohne eine Notlüge nicht weiter, er ist intelligent, aber Gott sei dank kein Streber, er ist neugierig, bescheiden, mitfühlend, kann aber auch 'mal gehörig austeilen, er ist nichtnachtragend, nicht arrogant, weder Weichei noch Everybody’s Darling, er ist Brillenträger (!) und hat meistens den besten Durchblick, er ist Waise ohne Zuhause, trotzdem ist er ein fröhlicher kler Junge, aber wenn es darauf ankommt steht er seinen Super-Mann , er hat Angst wie wir alle, aber leugnet sie nicht, er ist loyal, hilfsbereit, mitfühlend und lässt eine Fünf auch mal gerade sein, er schreit nicht dauernd um Anerkennung, um Liebe, umRespekt, er will nur so sein wie alle anderen. ? Ein Kind.

Solche Überraschungserfolge gibt es in der Bücherwelt nicht allzu oft, lässt das daraus schließen, dass zu wenig wirklich gute Bücher geschrieben werden?

Nein. Die Guten werden oft nicht wahrgenommen. Wie kann es sonst sein ,das so renommierte Verlage wie "Fischer" den ersten Band abgelehnt haben. Viele professionelle Lektoren in Deutschland haben die phantastische, witzige und originelle Schreibe von J.K. Rowling entweder nicht wahrgenommen oder haben dafür keine Sensibilität.

Betrifft das nicht zum Beispiel auch Drehbücher?

Gute Drehbücher sind auch eine Frage des Geldes. Für die Entwicklung eines Filmscripts lassen sich amerikanische Filmproduzenten viel mehr Zeit , da Sie natürlich auch über viel gewaltigere Budgets verfügen. Manchmal arbeiten auch mehrere Autoren an einem Drehbuch.Wir haben gute Autoren in Deutschland , aber die Nachfrage nach Ihnen ist größer als das Angebot.

In welcher Situation hätten Sie als Kind gern gezaubert?

Wenn es um die Schultests und Schulnoten ging , da hätte ich mir gerne meine Angst weggezaubert und mir manchmal eine bessere Note gewünscht, damit sich zumindest meine Eltern nicht solche Sorgen machen müssen. Ich habe die meiste Zeit in der Schule nicht gemocht , außer Deutsch und Sport , die meisten anderen Lehrer empfand ich als unfähig Wissen mit dem notwendigen Spaß zu vermitteln

Wie kam es zu dem Auftrag für das Hörbuch und war das Ihr erstes Hörbuch?

Nein. Neben meiner Tätigkeit als Theater und Filmschauspieler , habe ich schon immer viele Hörproduktionen für den Rundfunk und für verschiedene Verlage gemacht. Am meisten habe ich mit dem Hörverlag zusammengearbeitet , der mir Harry Potter anbot Schon nach dem ersten Lesen der englischen Ausgabe war Ich ganz begeistert . In der Zwischenzeit habe ich für den "Hörverlag" ein weiteres Kinderhörspiel produziert und inszeniert und zu guter Letzt auch alle Rollen darin gespielt , nämlich "Der Meteoritenlöffel" von Philipp Ridley , eine meiner Lieblingsarbeiten des vergangenen Jahres.(2 Kassetten 2 1/2 Stunden , mit viel Musik) Ich werde aber weiterhin mindestens einmal im Jahr einen neuen Harry Potter Band auf Kassette aufnehmen. Wer sich für weitere Arbeiten von mir interessiert , kann sich auf meiner Website umsehen .

Wußten Sie, was Sie erwartet als Sie den Auftrag übernahmen?

Ja, viel , viel, viel Spaß .Was ich aber nicht wußte war , dass da noch sechs andere Bände folgen sollten. Bei "Harry Potter und der Stein der Weisen" habe ich ja ganz naiv die verschiedensten Dialekte und Stimmlagen ausprobiert und komme da so auf gut 20 verschiedene Charaktere. Dann kam der zweite Band mit noch mal so 15 - 20 neuen Figuren und in der Zwischenzeit muss ich schon in meiner akustische Datenbank nachhören damit ich da nicht hin und wieder durcheinander gerate.

Kannten Sie die Potter-Bücher vorher ?

Die wurden gerade in Deutschland veröffentlicht und ich hatte von einem gewissen Erfolg in England gehört und mir deswegen auch ersteinmal die englische Ausgabe gekauft.

Wie viele Stunden/Tage arbeiten Sie an einem Hörbuch?

Ich bin sehr flott , ausdauernd und komme gut vorbereitet in das Studio. So habe ich für den ersten Band nur 2 1/2 Tage gebraucht um ihn aufzunehmen. Ich möchte am liebsten so lesen , als ob es ungeschnitten und live vor einem Publikum stattfindet.

Wenn man "Harry Potter und den Stein der Weisen " oder "Die Kammer des Schreckens" hört, kann man kaum glauben, dass all die verschiedenen Stimmen einem einzigen Mann gehören. Sie haben praktisch für jede Figur eine charakteristische Stimme gefunden - Harry und Hermine, Snape, Dumbeldoreoder Hagrid Wie viele verschiedene Stimmen sind das eigentlich ?

Ich habe nicht genau nachgezählt , aber ich denke bei jedem weiteren Band kommen so gut und gerne 20 neue Personen dazu. Manchmal ist es auch sehr schade , dass eine Figur verschwindet und im nächsten Band nicht mehr vorkommt. Dazu zählt beispielsweise Gilderoy Lockheart , den ich sehr mochte , weil er so furchtbar eitel war und ich mir einen Spaß daraus machte Leute aus dem Showbusiness mit seiner Charakterisierung zu veralbern. Die Nebenfiguren sind mir beim Spielen bzw. beim Lesen oft die Liebsten , denn Harry als Held braucht ja keine besondere stimmliche Eigenschaft , außer dass er jung sein muss. Der Held hat einen Auftrag und hebt sich schon dadurch von den Anderen ab , die Nebenfiguren müssen plastisch und phantasievoll herausgearbeitet werden.

War das von Anfang an so geplant oder sollten Sie das Buch ursprünglich "nur" lesen ?

Ich sollte nur lesen , aber ich habe die Damen im Hörverlag davon überzeugt, dass es viel schöner ist die Figuren zu spielen, als nur zu zitieren. So in der Art des orientalischen Märchenerzählers , der leicht und behende zwischen Erzähler und Hauptfiguren hin und herspringt. Und so wurde das Ganze eine Art Ein - Mann -Hörspiel.

Haben Sie selbst bestimmt, wem Sie welche Stimme geben oder wurde dazu lange experimentiert?

Niemand hat mir da hineingeredet. Ich experimentiere auch nicht ich improvisiere bei den Aufnahmen sehr viel, meine Entscheidungen kommen immer aus dem Bauch heraus.Bevor ich ins Studio gehe , lese ich meinen Kindern zu Hause vor dem Schlafengehen den neusten Band vor und betrachte das sozusagen als eine Probe für die Hörkassetten und die Reaktionen meiner Kids geben letztendlich den Ausschlag wie ich eine Figur spreche.

Welche Figur war die schwierigste - vom Sprechen her?

Hagrid! Der hat so eine tiefe Stimme und ich habe von Hause aus eigentlich eine höhere , weiche Stimme als dieser Riese. Aber ich habe bei allen Figuren immer eine konkrete Vorstellung mit einer realen Person in der Wirklichkeit , die ich als Vorbild nehme , sozusagen als Referenz , aber ich versuch nicht zu imitieren.

Haben Sie eine Lieblingsfigur in den Büchern?

Ich habe mehrere Lieblinge.Ich mag sehr gerne so verrückte Typen wie "Peeves" , der Geist oder "Dobby", der Hauself , aber mein Favorit ist immer noch Hagrid mit seiner dröhnenden , norddeutschen Bassstimme.

In den Dialogen wechseln die Stimmen oft von Satz zu Satz - Sind Sie da nicht manchmal durcheinander gekommen oder wurde jede Figur einzeln gesprochen und nachher eingespielt?

Alles ist live und ohne Technische Effekte gesprochen und eben auch ungeschnitten ,außer ich verspreche mich mal. Davon kann sich jeder überzeugen , der meine öffentlichen Lesungen gehört hat. Damit ich nicht durcheinander komme , höre ich machmal in eine CD hinein wo ich alle verschiedenen Stimmen hintereinander aufgenommen habe.

Können Sie die Bücher inzwischen auswendig vortragen?

Das , was ich vor einem Publikum vorlese kann ich meistens schon auswendig , bestimmte dialogische Passagen trage ich frei vor , die reine Erzählung lese ich.

In diesen Tagen kommt in Deutschland der vierte Teil von Harry Potter heraus. Wissen Sie schon, wie die Geschichte weiter geht?

Ja. Haha. Spannend!

Sind Sie durch diese Arbeit auch zum Harry Potter Fan geworden?

Ich bin Potterianer der ersten Stunde.

Mal abgesehen von Harry Potter. Haben Bücher (wahlweise: Hörbücher) ihrer Meinung nach Zukunft?

Ja , unbedingt. Die Menschen werden immer mobiler , und haben oft nicht die Muße zu lesen.Das Hörbuch gibt Ihnen Gelegenheit im Auto oder im Flugzeug beim Joggen oder bei der Arbeit Literatur zu hören. Und wem es gefällt , kauft sich schließlich das Buch , denn nur "was man schwarz auf weiss besitzt , kann man getrost nach Hause tragen".Ich glaube das letztendlich die Hörbücher die Menschen wieder zum Lesen bringen.

Was ist spannend am Vorlesen ?

Vorlesen sollte wie Kino für die Ohren sein.

Was empfinden Sie, wenn Sie bei Lesungen in die Augen Ihrer Zuhörer schauen?

Kindliches Glück

Was war ihr liebstes Buch in der Kindheit ?

"Winnie Pooh ", alles von Erich Kästner und last not least "Grimm´s Märchen"

Wie kamen Sie zur Schauspielerei?

Einfall - Zufall - Schicksal !

Was begeistert Sie an dem Beruf?

Das Tagträumen!

Der Text wurde aus zwei verschiedenen Interviews von Aachener und Schweriner Zeitung zu Harry Potter zusammengeschnitten

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